Ein Schulhalbjahr in China statt an der KGS

Schülerin der Wilhelm-Röpke-Schule erlebt einen magischen Austausch

Toria Tissen verbringt das erste Halbjahr des elften Schuljahrs nicht bei uns in Schwarmstedt, sondern in China.

Sie lebt aktuell in der Provinz „Shadong“ in einer kleinen Stadt „Binzhou“. Sophie Sartisson aus der Presse-AG hat sie über das Internet interviewt.

Sophie: Wie kamst du auf die Idee, den Austausch zu machen?

Toria: Seitdem ich in der fünften Klasse zum ersten Mal gehört habe, dass man in der elften Klasse die Möglichkeit hat, ein Austauschjahr zu machen, wusste ich, dass ich später diese Chance unbedingt nutzen möchte. Außerdem ist es eine Gelegenheit, ein anderes Land und seine Menschen kennenzulernen, neue Freundschaften zu schließen und den eigenen Horizont zu erweitern. Ich finde auch, dass es sehr gut tut, seine eigene Komfortzone zu Hause für längere Zeit zu verlassen, um selbstständiger zu werden und auch bewusster wahrzunehmen, wie gut man es daheim hat. 

Sophie: Wie und warum hast du dich für China entschieden?

Toria: Ich habe mich für China entschieden, weil ich schon seit mehreren Jahren Chinesisch lerne, hier in Deutschland aber nur wenige Möglichkeiten habe, meine Sprachkenntnisse wirklich im Alltag anzuwenden und intensiv daran zu arbeiten. Ein Austauschjahr bietet mir die Chance, viel mehr Zeit in die Sprache zu investieren und mich deutlich weiterzuentwickeln. 

China ist außerdem die älteste durchgehend bestehende Zivilisation der Welt. Es hat Ägypter, Perser, Römer und viele andere Hochkulturen überdauert. Staatssystem, Kultur und Mentalität unterscheiden sich auch stark von unserer westlichen Welt – und gerade das finde ich unglaublich spannend. Für mich ist es eine einzigartige Gelegenheit, diese völlig andere Welt kennenzulernen und zu verstehen. 

Sophie: Bist du in einer Gastfamilie? 

Toria: Ja, obwohl das ursprünglich gar nicht so vorgesehen war. Eigentlich sollte ich wie alle anderen Austauschschüler auf dem Campus wohnen. Im vergangen Jahr habe ich jedoch ein Schachturnier in Hannover mitorganisiert, das im Rahmen einer Europatour eines chinesischen Schachvereins stattfand. Dort lernte ich eine chinesische Universitätslehrerin kennen. Als ich später nach China kam, hat sie mir völlig überraschend und sehr herzlich angeboten, während meines Aufenthalts bei ihr und ihrer Familie zu wohnen. Für die Unterkunft möchte sie von mir kein Geld nehmen – im Gegenzug gebe ich ihrem elfjährigen Sohn Englischunterricht.

Sophie: Über welche Organisation machst du den Austausch und wie lief der Prozess mit der Organisation? 

Toria: Wir haben mein Auslandsjahr komplett selbst organisiert, weil wir keine passende Austauschorganisation gefunden haben. Meine Chinesisch Lehrerin hat uns dabei sehr unterstützt und geholfen, den ganzen Prozess zu planen und die richtigen Kontakte in China herzustellen. 

Sophie: Wie sieht dein aktueller Alltag aus?

Toria: Mein Schultag beginnt um 8 Uhr. Vormittags habe ich Unterricht bis 11:30 Uhr, nachmittags von 14 bis 17:30 Uhr. Abends nehme ich von 19 Uhr bis 20:30 Uhr am Tanztraining an unserer Schule teil. Am Wochenende habe ich entweder Auftritte mit meiner Tanzgruppe, treffe ich mich mit Freunden oder erkunde andere Städte mit meiner Gastfamilie. Außerdem melde ich mich regelmäßig tageweise an verschiedenen Schulen an, um dort den Oberstufenunterricht mitzuerleben. Dadurch lerne ich das chinesische Schulsystem aus unterschiedlichen Perspektiven kennen und komme mit vielen neuen Menschen in Kontakt.

Sophie: Wie unterscheidet sich die Schule von unserer?

Toria: Der Unterschied zwischen den Schulen hier und in Deutschland ist wirklich groß. Schon die Anzahl der Schüler:innen ist ganz anders. An den Oberstufenschulen, die ich in den letzten Wochen besucht habe, gibt es in jedem Jahrgang bis zu 25 Parallelklassen, und in jeder Klasse sitzen meist rund 50 SuS. 

Außerdem wird viel stärker auf Disziplin und Ordnung geachtet. Auch das Schulsystem selbst unterscheidet sich deutlich von unserem. Chinesische Schülerinnen und Schüler werden insgesamt viel stärker gefordert. In der Oberstufe haben die SuS von 6:30 bis 21:30 Uhr Unterricht und nur jeden zweiten Samstag frei. Und wenn man bei uns manchmal das Gefühl hat, dass der Schulalltag anstrengend ist – merkt man hier schnell, dass es auch ganz anders aussehen kann. 

Dann weiß man seine Schule zu Hause gleich noch ein bisschen mehr zu schätzen. 

Ausflug mit der Gastfamilie
Toria mit ihrer Lehrerin.
Ein Ausflug aufs Land.
Im Klassenraum der Riesenschule.
Schnell wurden Freundschaften geschlossen.
Toria tritt mit ihrer Tanzgruppe in der Schule auf.
Die Tanzgruppe vor einem Auftritt.