Krakau, eine der ältesten und schönsten Städte Polens, verbindet historische Pracht mit lebendiger Gegenwart. Eine Reise dorthin ist nicht nur eine Stadtbesichtigung, sondern eine Begegnung mit europäischer Geschichte. Am Sonntagabend um 22 Uhr starteten wir von unserer Schule aus mit dem Bus in Richtung Krakau. Nach einer langen Nachtfahrt erreichten wir unser Ziel am Montagmorgen gegen 9 Uhr. Trotz der Müdigkeit begann unser Programm direkt am ersten Tag. Um 14 Uhr nahmen wir an einer dreistündigen Stadtführung durch die Altstadt teil. Schon bei der Ankunft fiel die gut erhaltene Altstadt auf. Das Herz der Stadt bildet der Rynek Glowny, einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Europas. Hier befindet sich die berühmte Tuchhalle (Sukiennice) und die Marienkirche mit ihren markanten Türmen. Besonders beeindruckend ist der täglich erklingende Trompetenruf, der an eine alte Legende erinnert. Ein weiteres bedeutendes Ziel ist der Wawel-Hügel mit dem Königsschloss und der Kathedrale. Über Jahrhunderte hinweg war Krakau Sitz polnischer Könige. Die Architektur spiegelte dazu auch verschiedene Epochen wider. Um 17 Uhr folgte eine 90-minütige Führung durch das unterirdische Museum unter dem Marktplatz, in dem archäologische Funde und multimediale Darstellungen die mittelalterliche Stadtgeschichte anschaulich erklärten. Der Dienstag war dem Besuch der Gedenkstätten Auschwitz I und Auschwitz II (Birkenau) gewidmet. Insgesamt sechs Stunden verbrachten wir an diesem historischen Ort. Die Führung war sehr eindrücklich und emotional bewegend. Die Dimensionen des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers machten uns das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen deutlich. Dieser Tag regte besonders zum Nachdenken an. Am Mittwoch begann um 10 Uhr eine weitere thematische Stadtführung zum „jüdischen Krakau“. Dabei besichtigten wir vor allem das historische Viertel Kazimierz und erfuhren mehr über das frühere jüdische Leben in der Stadt. Besonders eindrucksvoll war der Besuch einer Synagoge, eines jüdischen Gotteshauses, in dem Juden beteten. Wir lernten, welche religiösen Traditionen dort gepflegt werden und welche Bedeutung dieser Ort für die Gemeinde hat(te). Anschließend hatten wir Freizeit, die wir eigenständig gestalten und sinnvoll nutzen sollten – viele von uns erkundeten weiter die Stadt oder nutzten die Zeit bei einem warmen Getränk, um sich über die bisherigen Eindrücke auszutauschen. Am Donnerstag besuchten wir das Galicia Jewish Museum. Nach einer Führung fand dort ein Zeitzeugengespräch mit Frau Rena Rach (geb. Stern) statt, die kurz nach der Errichtung des Ghettos in Krakau in diesem geboren wurde. Dieses Gespräch gab uns persönliche Einblicke in die Geschichte und die Folgen. Diese Begegnung machte die historischen Ereignisse noch greifbarer. Danach stand uns erneut Freizeit zur Verfügung. Zuletzt besichtigten wir am Freitag im Rahmen einer 90-minütigen Führung das Museum in der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler, die heute als Oskar Schindlers Emaillefabrik ein zentrales historisches Museum der Stadt ist. Dort erfuhren wir, wie Schindler während der NS-Zeit über tausend jüdische Menschen vor der Deportation rettete. Danach hatten wir noch ein letztes Mal Freizeit, bevor wir uns um 17:50 Uhr im Hotel trafen und gemeinsam zum Bus gingen. Trotz seiner Geschichte wirkt Krakau lebendig und jung. Zahlreiche Cafés, Universitäten und kulturelle Veranstaltungen prägen das Stadtbild. Besonders am Abend entfaltet die Altstadt eine besondere Atmosphäre. Nach den intensiven Eindrücken der Tage trafen wir uns abends, um gemeinsam ,,Werwolf“ zu spielen. Das Spiel sorge für Abwechslung und lockerte die Stimmung nach den teilweise emotional belastenden Besichtigungen. Dabei wurde viel diskutiert, gelacht und spekuliert, wer wohl die ,,Wölfe“ sind. Allerdings führten diese geselligen Abende dazu, dass unsere Nächte entsprechend kurz ausfielen. Trotz der Müdigkeit nahmen wir natürlich am nächsten Tag weiterhin aufmerksam am Programm teil. Die Fahrt nach Krakau war insgesamt eine intensive und lehrreiche Erfahrung. Neben kulturellen Eindrücken standen vor allem die Auseinandersetzungen mit der Geschichte des Nationalsozialismus und die Erinnerung an die Opfer im Mittelpunkt. Die Reise hat uns nicht nur historisches Wissen vermittelt, sondern auch zum Nachdenken über Verantwortung und Erinnerungskultur angeregt.
Bericht von Zuzanna Plisko










